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GHG Protocol

Das GHG Protocol ist das weltweit meistgenutzte Rahmenwerk zur Messung, Steuerung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen – sowohl auf Unternehmens- als auch auf Produktebene.

GHG Protocol: Der globale Standard für Treibhausgasbilanzierung

Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) ist das weltweit am weitesten verbreitete Rahmenwerk zur Messung und Steuerung von Treibhausgasemissionen (THG). Es wurde gemeinsam vom World Resources Institute (WRI) und dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt und stellt Unternehmen, Regierungen und anderen Organisationen eine einheitliche Methodik zur Verfügung, um Emissionen konsistent, transparent und vergleichbar zu erfassen und zu berichten.

Seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2001 hat sich das GHG Protocol zum De-facto-Weltstandard für Carbon Accounting entwickelt. Die große Mehrheit aller Unternehmensemissions-Berichte – einschließlich jener, die im Rahmen der CSRD und anderer Nachhaltigkeitsregulierungen gefordert werden – basiert auf der GHG-Protocol-Methodik.

Die Kernstandards des GHG Protocol

Das GHG Protocol umfasst mehrere eigenständige Standards, die jeweils eine unterschiedliche Ebene der Emissionsbilanzierung adressieren:

  • Corporate Standard: das grundlegende Rahmenwerk zur Erfassung des Corporate Carbon Footprint (CCF) eines Unternehmens. Es führt das Konzept der Scope-1-, 2- und 3-Emissionen ein und definiert, wie Organisationen ihre Systemgrenzen festlegen, Emissionen erfassen und Ergebnisse berichten sollen.
  • Product Standard (GHG Protocol Product Standard): liefert Leitlinien für die Berechnung von Emissionen auf Produktebene und bildet die Grundlage für Product Carbon Footprint (PCF)-Berechnungen. Er ist eng mit ISO 14067 und der LCA-Methodik gemäß ISO 14040/14044 abgestimmt.
  • Scope 2 Guidance: präzisiert, wie Unternehmen Emissionen aus zugekaufter Energie – einschließlich marktbasierter und standortbasierter Methoden – erfassen sollen.
  • Corporate Value Chain Standard (Scope 3 Standard): der maßgebliche Leitfaden für die Berechnung von Scope 3 Emissionen, gegliedert in 15 vor- und nachgelagerte Kategorien.
  • Mitigation Goal Standard und Policy and Action Standard: Rahmenwerke für Regierungen und projektbezogene Bilanzierung.

Scope 1, 2 und 3: die Kernstruktur des GHG Protocol

Der einflussreichste Beitrag des GHG Protocol ist das Scope-1-2-3-Rahmenwerk, das die Emissionsbilanzierung nach drei Kategorien von Eigentümerschaft und Kontrolle gliedert:

  • Scope 1 — direkte Emissionen aus Quellen, die dem Unternehmen gehören oder von ihm kontrolliert werden, etwa Produktionsanlagen, Fahrzeugflotten oder Verbrennung vor Ort.
  • Scope 2 — indirekte Emissionen aus zugekaufter Energie: extern erzeugter Strom, Wärme, Kälte oder Dampf, der vom Unternehmen genutzt wird.
  • Scope 3 — alle übrigen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, aufgeteilt in 15 Kategorien – von eingekauften Gütern und Dienstleistungen bis zur End-of-Life-Behandlung verkaufter Produkte.

Für die meisten Hersteller und Industrieunternehmen macht Scope 3 zwischen 70 und 90 Prozent des gesamten CO₂-Fußabdrucks aus. Diese Kategorie zu verstehen und zu steuern erfordert verlässliche CO₂e-Daten auf Material- und Prozessebene – sowohl für vorgelagerte Lieferketten als auch für nachgelagerte Produktnutzung.

GHG Protocol und produktbezogene Bilanzierung

Der GHG Protocol Product Standard erweitert das Unternehmensrahmenwerk auf die Produktebene. Er definiert, wie die Treibhausgasemissionen eines bestimmten Produkts über seinen vollständigen Lebenszyklus hinweg berechnet werden – von der Rohstoffgewinnung über Fertigung, Distribution und Nutzung bis zur Entsorgung – und bildet damit die methodische Grundlage für PCF-Berechnungen.

Methodisch sind GHG Protocol Product Standard und ISO 14067 eng aufeinander abgestimmt. Beide gründen auf den Prinzipien des Life Cycle Assessment (LCA) und adressieren dieselben methodischen Fragen: Systemgrenzen, funktionelle Einheit, Datenqualität, Allokation und biogener Kohlenstoff. Der wesentliche praktische Unterschied: ISO 14067 ist eine formale ISO-Norm – mit dem Gewicht eines international anerkannten Standards –, während der GHG Protocol Product Standard ein Leitfaden-Rahmenwerk ist. Viele Unternehmen richten ihre PCF-Berechnungen gleichzeitig an beiden aus. Einen detaillierten Vergleich von LCA und PCF-Methodik finden Sie in unserem gesonderten Beitrag.

GHG Protocol und regulatorische Compliance

Obwohl das GHG Protocol ein freiwilliges Rahmenwerk ist, bildet es die Grundlage einer wachsenden Zahl verbindlicher Anforderungen:

  • CSRD: Die Corporate Sustainability Reporting Directive verpflichtet große Unternehmen, Scope-1-, 2- und 3-Emissionen gemäß ESRS-Standards offenzulegen – was in der Praxis GHG-Protocol-konforme Berichterstattung bedeutet.
  • CBAM: Der Carbon Border Adjustment Mechanism verlangt Daten zu eingebetteten Emissionen importierter Güter. GHG-Protocol-konforme Berechnungsmethoden werden hierfür weitgehend als Grundlage anerkannt.
  • EU-Batterieverordnung: Verlangt PCF-Deklarationen für Batterien mit einer Methodik, die sowohl am GHG Protocol Product Standard als auch an ISO 14067 ausgerichtet ist.
  • Science Based Targets Initiative (SBTi): Alle Unternehmens-Klimaziele, die unter der SBTi eingereicht werden, müssen auf GHG-Protocol-kompatiblen Emissionsinventaren basieren.

Für Unternehmen, die Nachhaltigkeitsregulierungen in der EU und darüber hinaus navigieren, ist Methodenkompetenz im GHG Protocol damit nicht nur gute Praxis – sondern zunehmend eine Compliance-Anforderung.

GHG Protocol, Datenqualität und die Rolle von Emissionsfaktoren

Das GHG Protocol stellt klare Anforderungen an die Datenqualität: Emissionsdaten sollen genau, vollständig, konsistent, transparent und relevant sein. In der Praxis hängt die Erfüllung dieser Anforderungen – insbesondere für Scope 3 und produktbezogene PCF-Berechnungen – wesentlich von der Qualität der zugrunde liegenden Emissionsfaktoren ab.

Hier spielt die Wahl der CO₂e-Datenbank eine entscheidende Rolle. Generische oder veraltete Emissionsfaktoren führen zu Unsicherheiten und können die Glaubwürdigkeit eines PCF oder eines Unternehmens-Emissionsinventars untergraben. Verifizierte, regelmäßig aktualisierte Emissionsfaktoren auf Material- und Prozessebene – ausgerichtet an den Datenqualitätskriterien des GHG Protocol – sind die Grundlage für belastbares Carbon Accounting. Für Einkaufsteams, die Materialien und Lieferanten bewerten, und für Produktteams, die PCFs über große Stücklisten hinweg berechnen, ist diese Unterscheidung oft entscheidend dafür, ob ein Ergebnis einer Prüfung standhält.

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